Ausgedruckt: Top of the Stretch – Horse Racing

Heute schauen wir uns mal was Anderes an, einfach der Abwechslung wegen. Und zwar ein „Pferde-Rennen“-Brettspiel bzw. Würfelspiel. Ein zweischneidiges Schwert, denn ich mag Pferderennen überhaupt nicht, noch nie. Ich habe sie immer schon als pure Tierquälerei empfunden und als Missbrauch gegenüber einem Lebewesen zur Freude und Geldgier des Menschen. Das generelle Konzept hat mich immer abgestoßen, auch wenn es visuell spektakulär, beeindruckend und spannend ist. Aber sowas mit echten Tieren ist ein absolutes NoGo meiner Meinung nach, aber das gilt auch für Dressur-Reiten, Springen und all diese Dinge, die sich das Pferd selber nicht mal aussuchen kann, sondern da einfach quasi hineingeworfen wird und dann darin leben muss. Mit allen Folgewirkungen auf physischer und mentaler Seite.

Außerdem haben Pferderennen für mich immer auch sehr viel mit Glückspiel zu tun – gedanklich hat sich das bei mir eingeprägt und deswegen mag ich es ebenso wenig, weil die Assoziation ist bei mir automatisch mit Geld und Verlieren verknüpft. Noch ein Grund weniger, sich mit diesen Dingen zu beschäftigen. Es gibt aber ein „Aber“. Glücklicherweise gibt es Computerspiele und eben analoge Möglichkeiten, solche „Sportarten“ auszuleben, ohne, dass dabei direkt ein Lebewesen leiden muss. Und genau das schauen wir uns hier mal an…

Top of the Stretch ist eines dieser heutzutage verlorenen Spiele, die kaum noch entstehen oder zumindest in der breiten Masse keinen Fuß mehr fassen werden, einfach weil diese Zeiten vorbei sind irgendwie. Noch dazu sind die meisten Autoren solcher Spiele oftmals älteren Jahrgangs und mit ihrem Abgang geht dann auch die Fanbasis ebenso verloren, da die Generationen oft die Selben sind.

Diese Pferderennen-Simulation kann man online um 2 Dollar herunterladen, mit einem Set an Pferden und Jockeys kommt man auf 6~7 Dollar ungefähr. Es ist eines von diesen Spielen, das sich einer ausgedacht und dann online geteilt hat, es gab dann Fans und dann wurden und werden laufend weitere Saisonen Jahr für Jahr beigefügt, so dass man wie bei den Baseball-Spielen immer mit dem aktuellen Pferden und Jockeys der echten Welt auch auf dem Papier gegeneinander antreten kann und die Spieler bzw. Pferde-Werte auch denen der Realität entsprechen. Eben eine Simulation und in analoger Form, wie man auch schön in dem Text-Auszug hier oben lesen kann.

Nach dem digitalen Kauf bekommt man automatisch das Regelheft zum Download angeboten und erhält ungefähr 50 Seiten, es entsteht also beidseitig ausgedruckt ein kleines Heft mit 25 Seiten, dessen Blätter ich mit einem dünnen Klebeband untereinander verheftet habe, damit man leichter durchblättern kann. In den Erklärungen findet sich das grundsätzliche Spielkonzept, das heißt, wie nutzt man welche Werte mit den Würfeln und so wie auch bei den Baseballspielen gibt es eine Easy-Variante bzw. Quickplay oder die Advanced-Variante, wo man dann viel mehr Details in das Spiel einbringen kann.

Auch hier hat man dann wiederum diverse Tabellen und Co. in der Übersicht, um je nach Vorgaben oder anhand der Würfel dann die passenden Ergebnisse zu übernehmen bzw. das Spiel zu spielen.

Nicht nur die Jockeys auf den Pferden, sondern eben auch die Pferde selber haben verschiedene Stärken, Schwächen, sind je nach Untergrund gut oder schlecht unterwegs und so weiter… um dies zu berücksichtigen, finden sich dann verschiedenste Tabellen, die diese Schwerpunkte dann vereinen und ebenso den Fortschritt auf der Pferderennbahn bestimmen.

Ganz am Ende des Rennens hat man dann einen Ausgang, der echten Pferderennen kaum nachsteht, aber eben mit dem Vorteil, das kein echtes Lebewesen darunter leiden musste und ausgebrannt ist. Zudem ist es so wie bei den Baseballspielen nicht nur ein reines Glückswürfeln, sondern eben auch anhand der Werte etwas bestimmter und abhängig von dem Pferd, der Bahn und diesen Dingen. Das macht es ein wenig interessanter natürlich, auch wenn es dennoch nur ein kleines „Mal eben“-Spiel für zwischendurch ist.

Allerdings haben wir hier nur das Regelheft bisher gesehen bzw. den Guide, diesen bekommt man eben um 2 Dollar. Jetzt fehlen aber noch die Pferde und Jockeys aus einer bestimmten Saison.

Die Auswahl ist nicht ganz so groß, aber ich habe mich für die 2016 Breeders Cup Edition entschieden, die man um 6~7 Dollar erhält. Ebenso als Download direkt nach dem Kauf und damit wirklich für kleines Taschengeld.

Auch hier findet man überall die kleinen Spuren, dass es sich hier eben um ein sehr persönliches, privat erstelltes Spiel handelt und auch so gepflegt wird…

Und hier haben wir eben die Werte der Pferde dieses Cups, mit dem Alter und ihren Ratings, die dann im Spiel entscheidend sind.

Auch die Jockeys haben ihre eigenen Werte, die zum Einsatz kommen.

Weiters enthält das Package mit seinen 36 Seiten in Summe schon vorgefertige Rennen bzw. ihre Aufstellung aus dem gewählten Jahr, mit denen man dann in eine Spielrunde gehen bzw. damit sie auch analog auf Papier nachstellen kann.

Und zum Abschluss haben wir dann außerdem noch die Möglichkeit leere Scoresheets auszudrucken, um komplett eigene Rennen zu erstellen – also Pferde und Jockeys selber auswählen und zusammensetzen und dann zu schauen, was passiert.

Es ist ein grundsätzlich einfaches Würfelspiel und nicht anders als ein Mensch ärgere Dich nicht und ähnliche Spiele, aber eben mit einer Vielzahl an Zusatzwerten, Variablen und Möglichkeiten, das Geschehen etwas umfangreicher zu gestalten. Eben eine kleine Simulation auf Papier für Zwischendurch und mit Liebe gemacht.

Ich werde demnächst hier ein Beispiel-Spiel nachreichen, wenn ich mich selber mal durch das ganze Regelheft gelesen habe, aber ein Quickplay sollte durchaus auch mal eben möglich sein.

Nun… nachdem ich 2-3 Fehler in meiner Spielweise erkannt und zudem nochmal brav ein Tutorial angeschaut hatte, spielt sich nun auch die Vollversion bereits recht flüssig und rund. Ich habe das Video mit einem der Fehler wieder offline gestellt und werde demnächst es nochmal und berichtigt aufnehmen. Zwar umschiffe ich weiterhin die Odds/Bet-Werte, weil sie mich nicht interessieren, aber der Rennverlauf, der Einfluss der Faktoren und das End-Resultat sind nun auch für mich transparent und nachspielbar.

In dem Testrennen hier beispielweise konnte das Pferd Tepin den ersten Platz belegen, Ironicus den Zweiten und Miss Temple City den dritten Platz. Die Namen der Pferde finde ich übrigens noch immer teilweise recht uncharmant, so gibt es beispielsweise Namen wie Tourist, Photo Call, New Money Honey, I’m a Chatterbox, Finest City, Money Multiplier und dergleichen, die irgendwie nicht so wirklich sexy klingen und fast eher nach einem billigen Wort-Generator, aber tatsächlich gibt (bzw. teilweise gab) es diese Pferde bei echten Rennen. Hingegen sind Namen wie Madame Dancealot, Sweeping Paddy, Songbird, Zipessa, Kitcat, Midnight Storm und so weiter irgendwie ansprechender und einprägsamer.

Durch die „erweiterte“ Spielweise, die sich nach dem ersten, angeleiteten Versuch dann auch recht schnell verinnerlichen lässt, kann man geistig deutlich besser visualisieren, welches der Pferde einen mäßigen Start, welches von Anfang an schwach in das Feld ging und welches der Pferde dann doch noch am Ende recht gut zugelegt hatte. Tepin mit Jockey Leparoux am Rücken beispielsweise ging in diesem Beispiel eher dezent in das Rennen, legte aber am Ende doch noch zu und stürzte am Ende mit einer Zeit von 01:34.4 durch das Ziel, Ironicus mit knappen 01.35.2, während beispielsweise das letzte Pferd auf der Strecke mit 01:41.2 durch die Ziellinie lief. Wenig Abstand bei 14 Pferden und damit recht dicht an der Realität.

Auch lässt sich mit der vollen Spielsweise besser nachvollziehen, welches der Pferde wann an Power verliert, abhängig von seiner Grundleistung und welches am Ende es dennoch schafft, nochmal sogar zuzulegen und damit Furlongs (Distanz) zu gewinnen bzw. im Photo-Finish dann mit einer Nasenlänge den Gegner zu schlagen.

Je mehr man von so einem Spiel versteht bzw. je klarer die Zahlen, Tabellen und der Zusammenhang werden, umso mehr wird es auch für einen im Kopf leichter, nicht nur mehr angestrengt nach den notwendigen Zahlen auf den passenden Blättern und in den Regeln zu suchen, sondern sie auch gedanklich einzusetzen und sich eben den Rennablauf innerlich vorzustellen.

Das ist dann der Moment, wo solche Statistik-Spiele plötzlich Spaß machen können und die eigene Kreativität anspornen… quasi ein bisschen wie Bücher lesen, wo man auch aus geschriebenen, reinen Text-Zeilen über unzählige Zeilen ohne Bilder dennoch komplette Universen und Welten im Kopf erschafft. Banales Beispiel Herr der Ringe oder sogar James Bond und diese Dinge in Buchform – klappt ja auch recht gut, wenn man mit Leuten darüber spricht.

Und ich bin froh, dass man für dieses Spiel keine echten Pferde einsetzen muss, auch wenn es natürlich auf realen Werten vorangegangener Rennen anno dazumal basiert, aber theoretisch könnte man die auch mit einem Zahlen-Generator oder etlichen, selber gespielten Durchläufen erstellen… so gesehen eine analoge, Tier-schonende Alternative zu echten Pferderennen (wenn man diese Glücksrennen denn überhaupt mag, ich bin nur so halb Fan davon) und damit deutlich empfehlenswerter.

Übrigens sollte nicht unerwähnt bleiben, dass es das Spiel auch als PC-Version gibt. Es ist sozusagen die in digitale Form gegossene Papier-Variante, die das Ganze einfach nur mehr visualisiert und einem das Schreiben und Suchen der Zahlen abnimmt. Ich bin mir nicht ganz sicher, ob man das wirklich möchte, denn es führt ein wenig das Konzept ad absurdum, denn der Reiz an TOTS liegt ja darin, sich mit den Zahlen und dem Erwürfeln der Ergebnisse zu beschäftigen. Bei der digitalen Form wird einem das Alles abgenommen und da muss ich glatt sagen, beginnt es eher den Charme von einem Slot-Automaten zu bekommen… nicht mein Ding, aber werden wir mal einen Blick auf die PC Version „Top Of The Stretch“.

Neben dem einfachen Startbildschirm mit den im ersten Screen zu sehenden Auswahl-Möglichkeiten, gibt es noch ein sehr spartanisches Options-Menü, das eigentlich eher wenige Möglichkeiten zeigt und sich auf die absolute Grundlage beschränkt.

Klicken wir auf einer der Saisonen – hier die Demo-Variante – haben wir für die verschiedenen Monate und Tage die jeweiligen Rennen mit den damaligen Pferden, Jockeys und ihren Werten sowie Aufstellungen.

Man kann sich selber aussuchen, welche Pferde man beim jeweiligen Rennen antreten lassen möchte, in dem man sie aus einer Auswahl-Liste selektiert und sie dadurch in die Aufstellung rechts setzt.

Zu jedem Pferd finden sich übrigens die Werte, die man auch in der analogen Variante als Tabellen zur Verfügung hat… also die jeweiligen Grundwerte, anhand von denen sich dann die Leistung und die Position mitsamt dem Würfeln ergibt.

Auch gibt es der Einfachkeithalber bei Bedarf ein Ranking der Pferde und ebenso der Jockeys, um sich bei der Entscheidungshilfe leichter zu tun. Naja, wenn man es braucht. Soweit mal die Basis…. nun schauen wir uns mal ein erstelltes Rennen an.

Und so schaut die Spieloberfläche aus… old school und recht minimal, denn es richtet sich eben nach der analogen Form, die ident aufgebaut ist. Vor dem Start legt man hier ebenso den Einfluss der Strecke auf das Spiel fest.

Und danach beginnt man die einzelnen Pferde durchzuwürfeln, am Beginn mal für das erste Strecken-Segment, danach das Zweite, das Dritte bis zum Finale. Das Regelwerk ist ident, durch hier digitale Würfel wird die Leistung des Pferdes erspielt sowie die Zusatz-Faktoren definiert, die am Ende dann entscheidend sind. Leider kann man hier keine eigenen, anlogen Würfelergebnisse eingeben, so bleibt einem nur die Enter-Taste zu drücken und sich durch die Liste durchzuspielen. Wenn man mag, kann man allerdings jederzeit ein Segment auch mit einem Klick komplett durchlaufen und abschließen lassen.

Hier sind wir am Ende eines Rennen angekommen, allerdings haben die beiden ersten Pferde und drei Weitere auf der dritten Position zu knappe (also idente) Ergebnisse. Wie bei der analogen Form wird dann hier der Wire und Ride-Wert des Pferdes und des Jockeys herangezogen und dadurch eine Entscheidung in solchen Fällen definiert.

Und das Renn-Ende. Ny Traffic hat gewonnen, ersichtlich an der Box unten der Tabelle, ebenso die Reihung der nächsten drei Pferde und in diesem Fall auch das Preisgeld. Und das war es schon… es ist also ident zum selber auf dem Papier herumschreiben mit dem Kuli oder Bleistift und man muss nur mehr Tasten drücken. Nimmt aber zugleich auch den Fun-Factor und es hat dadurch mehr von einem Smartphone-Tap-Tap-Spiel.

Der einzige Unterschied bzw. die Erweiterung ist, dass man sich nach einem vollzogenen Spiel ein animiertes Replay anschauen kann, das den Wechsel der Positionen – gemäß der erspielten Werte – visualisiert. Dadurch kommt etwas Leben rein, auch wenn die Darstellung wirklich sehr rudimentär und einfach ist. Es sind mehr oder weniger nur die farbigen Bubbles, die auf der Rennstrecke mit ihren Abschnitten über das Rennband gleiten…

Solange, bis man eben das Ziel erreicht hat. Eigentlich eine nette Idee und gibt dem ganzen mehr Umfang, allerdings muss man auch sagen, dass man hier nicht eingreifen oder dergleichen kann. Dazu ist das Spiel zu limitiert, da es eben eine Statistik-Simulation und nicht ein „Renn-Spiel“ ist. Die Visualisierung spiegelt nur die Tabelle oben nieder… nett zu sehen, aber es erschöpft sich dann doch irgendwie auch.

Nach abgeschlossenen Rennen gibt es dann noch das Resultat-Sheet, auf dem man sehen kann, wie weit die Pferde auseinander waren und welcher Speed erreicht wurde. Gewissermaßen die Summen-Spalte umgewandelt. Ich finde es einmalig hilfreich, weil man damit auch die analoge Version dann intus hat, aber ansonsten ja…

Sonst hat man kaum Möglichkeiten, Dinge zu tun, außer Rennen zu erstellen und zu bearbeiten und hier auch nur die Eckdaten wie am Papier, die Pferde und Jockey-Zuteilung…

…und die Zusammensetzung für die Rennen mit diversen Filter-Möglichkeiten, die das Erstellen erleichtern sollen.

Grundsätzlich ist die Idee schon ok, aber man muss auch sagen, dass man manchmal merkt, dass nicht jedes Papier-Spiel dann auch in digital Sinn macht. Ich habe das Gefühl, dass es sich schnell erschöpft und vielleicht einem eher dann anspricht, wenn man generell einfache Unterhaltung am PC sucht, aber meines ist es nicht und bleibe deswegen bei der Demo-Version.

Viel interessanter wäre es, die analoge Version noch um ein paar Facetten reicher zu machen oder die Strecke weiter in mehr Abschnitte aufzuteilen, so dass man auch etwas länger am Schreibtisch rumtüfteln muss, auch wenn es nur banales Zählen und Zusammenfügen von Zahlen ist. Also TOTS ist ein feines Spiel, wo sich jemand sehr viele Gedanken beim Erstellen gemacht hat und das man sicher auch noch weiter ausbauen könnte, die digitale Version ist ein gut gemeinter Versuch und technisch sehr ok umgesetzt, aber passt nicht ganz zu dem Geist des Spiels… aber das ist sicher auch eine Generationenfrage vermutlich…

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