Alte Baseballkarten als Spielkarten

Kleine Vorgeschichte: Ich hatte mir ja vor längerer Zeit mal alte Baseballsammelkarten online bestellt, schlicht und ergreifend einfach, weil ich welche haben wollte. Ursprünglich aus dem Jahr 1981, aber solche Sets sind heutzutage viel zu teuer am Markt und auch bei uns sowieso kaum zu bekommen und müssen teuer importiert werden… und zudem haben sie im realen Alltag wenig bis keinen Nutzen. Aber ich wollte sie einfach für mich ganz persönlich haben, so quasi Kindheitsdinge aufarbeiten und diese klassischen Dinge, die einfach Freude machen. Mit einem anderen Wort: sinnbefreit, aber zugleich auch ein harmloses Hobby quasi…

Am Ende wurde es dann ein klassisches, leistbares Set aus den 90ern, noch original verpackt, importiert aus Ami-Land, mit Keller-Geruch und leicht verstaubt. Und bin am Ende am Boden im Wohnzimmer gesessen und hatte plötzlich ein paar hundert Baseballkarten rund um mich liegen, wo ich selber in dem Moment gar nicht mal mehr wusste wozu und was ich nun damit mache, aber es war dennoch irgendwie nett und sogar das Sortieren und Durchschauen machte einfach unkomplizierten, lockeren Spaß. Also schon ok. Empfehle ich zwar nicht unbedingt, kann man aber machen.

In letzter Zeit, wo ich immer wieder zur Entspannung und zum geistigen Abschalten neben der Arbeit am Abend an kleinen Brettspielen rumbastel (ohne sie wirklich zu brauchen oder zu nutzen), habe ich mich aber ein paarmal gefragt, ob man denn diese viele Karten, die ansonsten im Kasten in zwei Stapeln verstauben, nicht irgendwie zum Leben erwecken könnte… und mal ein bisschen auf diversen Boards im Netz herumgesurft.

Und tatsächlich habe ich vor allem aus den 80ern-90ern diverse Ideen von anderen Sammlern und Spielern in den Foren gefunden, wie man die Karten brauchbar verwerten kann. Eine Eigenschaft bei klassischen Baseballkarten ist der Wert BA (Batting average). Der sagt nicht unbedingt aus moderner Statistik-Sicht alles aus, aber ist so ein klassischer (Old-school) Richtwert, mit dem man einen Spieler etwas besser einschätzen kann.

„Zur Berechnung des Batting Average wird die Anzahl der Schläge, mit welchen der Schlagmann („Batter“) mindestens die erste Base erreicht hat („Hits“), durch die Anzahl all seiner („At Bats“) geteilt.“ Werte unter .200 gelten als extrem schlecht, alles über .300 ist schon top und .400 ist quasi die Schallmauer und wurde zuletzt 1941 von Ted Williams erreicht.

Diesen BA-Wert haben (fast) alle der Spielerkarten, außer die Pitcher… somit steht mir also ein Pool an hunderten Karten zur Verfügung. Im Netz habe ich dann per Zufall die Scores bei einem alten Brettspiel entdeckt, wo die Werte in Blöcke eingeteilt werden und mitsamt zwei Würfeln können damit die Ergebnisse abgeleitet werden. Also habe ich mich hingesetzt und schnell in Calc (Excel) die obere Tabelle im Bild erstellt und ausgedruckt.

Allerdings hat mir die Farbe dann doch nicht gefallen, zuwenig Retro, also habe ich die ganze Tabelle nochmal mit einem orangen Hintergrund ausgedruckt und anschließend beidseitig foliert… und fertig. Damit haben wir eine Scorecard und mit zwei Würfeln kann man nun die Baseballkarten aus den 90ern leicht zum Spielen einsetzen. Der Ablauf dabei ist recht simpel, in dem man sich einfach zwei Teams erstellt, ebenso das Lineup der Spieler und dann einfach startet. Würfeln, die beiden Würfelaugen-Ergebnisse zusammenzählen (z.B. 3+5 = 8) und dann je nach BA-Wert des Spielers in der entsprechenden Spalte nach dem Ergebnis schauen.

Das Feine daran ist, dass die Baseballspieler bzw. ihre Stärke damit einen Einfluss auf das Spiel haben und es nicht nur ein reines Glückswürfeln ist und zudem muss man auch nicht extra Spielerkarten erstellen, was ansonsten nämlich unglaublich mühsam und schwierig ist. Mal eben Fotos zu finden, passende Namen, die Werte, usw… und das Ganze auch noch zusammenstellen… puh, schon probiert, aber das kostet zuviel Lebenszeit.

Mit der kleinen, simplen Idee lassen sich nun ganze Saisonen und Leagues spielen und man kann Teams und ihre Lineups gegeneinander antreten lassen. Nachdem auf den Baseballkarten noch weitere Werte vorhanden sind, wie beispielsweise Rechts- oder Linkshänder-Werte, Anzahl der Home runs und andere Klassiker, die bei Baseball eine wichtige Rolle spielen, lässt sich so eine Scorecard mit verfeinerten Resultaten auch jederzeit leicht ergänzen. Damit rücken die Spielerwerte viel mehr in den Vordergrund und es wird dadurch auch interessanter natürlich, wenn man mit echten Spielern taktieren kann.

So gesehen eine sehr feine, unkomplizierte Sache… Nach zwei Testrunden noch spät in der Nacht habe ich dann auch noch schnell die bisher unsortierten Karten auf die jeweilige Team-Zugehörigkeit aufgeteilt, also Phillies, Mariners, Rangers, Tigers, Astros, Royals, usw. und sie jeweils in kleine Papiertaschen verpackt.

Nun habe ich nicht nur ein neues Spiel mal eben in einem Abend zusammengestellt, sondern auch eine komplette, analoge Saison in Kartenform griffbereit. Würde man so ein Spieler-Set sogar mitsamt Fotos für Brettspiele wie APBA, Strat-o-Matic und Co. kaufen können, würde man locker vermutlich 100~500 Dollar oder mehr dafür hinlegen…

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