Ich habe mir Golfschläger gekauft…

Oje, nachdem wir ja schon länger hier ungeübt über Golf und Brettspiele philosophieren, bin ich beim Lockdown-Surfen dann auch noch glatt über ein klassisches Lock-Angebot im weltweiten Netz gestolpert. So ein billiges Anfänger-Set für Unwissende, das klassische Geschenk für den Schwiegervater oder diese Dinge, rechtzeitig reduziert im Winter und um die Lager zu Weihnachten zu leeren. Im ersten Moment war es so ein „Oha, das ist ja sogar für Nurmis wie mich damit leistbar…. mmhhh, aber nein, das machen wir mal sicher nicht, denn ich will ja weder einem Golfclub beitreten und was macht man denn mit so einem Set in seiner Wohnung im Alltag?“. Und die Seite wieder geschlossen… man ist ja brav.

Dann hat mein Kleinhirn oder eine unnötige, andere Rinde in meinem Kopf über Tage hinweg ganz nüchtern immer wieder weiter überlegt, dass ich Alles im Leben brauche, aber definitiv kein Golfset und es wirklich dringendere Dinge gibt, als Sportgeräte, die man im Alltag sowieso nicht einsetzt und die noch dazu viel Platz und weltweite Ressourcen verbrauchen und so weiter und an denen man nach 6 Monaten eh schon wieder – wie üblich – das Interesse verliert. Man könnte stattdessen ja in gesundes Essen, Körper, Klimaschutz, sanftes Reisen, Bildung und Co. investieren, die bereits vorhandenen Hobbys besser ausleben, die kleine Werkstatt aufbessern oder schlicht und ergreifend ansparen für eine ferne Zukunft. Und so halt.

Bis ich dann in einer schlaflosen Nacht um ziemlich genau drei Uhr in der Früh mal eben das Smartphone aufgeklappt hatte und fünf Minuten später mit einem „Mist, was machst du schon wieder?“ eingeschlafen bin… denn ich hatte es natürlich bestellt. Impulshandlung. Seufz, genau davon lebt die Wirtschaft… von Menschen wie mir, die sich dann, trotz aller Vernunft ansonsten, nicht an ihre Vorsätze halten.

Dann dachte ich mir „Na gut, ist halt passiert, es dauert eh noch Wochen und Monate und bis nach Weihnachten und so, bis das Zeugs ankommt, bis dahin kann man das Ganze nochmal verdrängen und nachdenken“…. und dann läutet es plötzlich wenige Tage später an der Türe und der Zusteller steht tatsächlich freundlich lachend vor der Türe… mit einem großen Karton neben sich stehend. Du meine Güte, es ist wirklich da. Uha.

Und so steht nun ein Golfschlägerset der Massen-Sport-Marke „Wilson“ vor der eigenen Nase, mit Putter, Eisen und „Hölzern“, einem Golfbag und ein Handschuh, Soft-Übungsbälle, Soft-Plastikbälle, Übungsmatte und ein kleines Fangnetz sind auch noch der Lieferung versehentlich dazu gerutscht und damit sind wir mitsamt Lieferkosten verschiedener Seiten und Co. bei insgesamt unter 500 Euro geblieben. Das ist nicht wenig, denn um das Geld kann man viele nützlichen Dinge tun und es ist viel mehr, als ich je für den Kram so je ausgeben wollte, aber auf der anderen Seite in Summe durchaus in Ordnung und auch für den „kleinen Mann“ zuhause einmalig im Leben leistbar. Der kleine Luxus zur Lebensfeier zwischendurch.

Man darf aber dennoch natürlich auch nicht vergessen zu erwähnen, dass die Rezensionen zu dieser Sorte an billigen Schlägern natürlich nicht unbedingt umwerfend sind und es viele Kritikpunkte gibt bis hin zu „Nach dem 5. Schlag lösen sie sich auf“, auf der anderen Seite strebe ich keine Profi-Karriere an und die Chancen, dass ich mehr als eine Handvoll mal im Jahr irgendwo einen Schläger schwinge, sind auch eher extrem gering. Lieber klein bleiben, angepasst an den realen Nutzen. Somit fühlt es sich nach einem „Ist in Ordnung-Kauf, aber mach es nicht nochmal, ja?!“ an, mit dem man das schlechte Gewissen kompensieren kann.

Was finden wir nun so im Set? Einen Driver für den Abschlag (das ist der Große hier vorne im Bild), ein 3er-Holz für das Fairway (im Bild oben) und den sogenannten Hybriden (5er Holz/Eisen). Die sind hier natürlich nicht aus Holz, aber die Bezeichnungen haben sich im Laufe der Zeit so festgesetzt. Die „Hölzer“ werden für die weiten, langen Abschläge am Kurs genutzt, während man die sogenannten „Eisen“ für die kürzeren Strecken einsetzt.

Da haben wir ebenfalls ein paar üblichen Klassiker…. das 6er, 7er, 8er und 9er-Eisen (bedeutet unterschiedliche Schlagweiten). Und zusätzlich auf der rechten Seite hier am Foto den Schläger mit dem P – das ist der Pitching Wedge, der gerne in der Nähe des Grüns zum Anspielen genutzt wird, wenn die Distanz nicht mehr so weit ist. Damit kann man auch Hindernisse überwinden, weil der Loft – also die Neigung der Schlagfläche – sehr stark ist und der Ball damit einen hohen Bogen beschreibt. Außerdem hilft es, dass der Ball eher steil am Grün landet und damit auch nicht mehr so weit rollt, bedeutet also mehr Kontrolle.

Und links daneben haben wir dann auch noch den S – also den Sand Wedge. Wie man sich vorstellen kann, ist der Schläger dazu gedacht, den Ball aus einem Sandloch bzw. Bunker zu bekommen. Er hat einen noch stärkeren Loft als die anderen Schläger und dadurch schupft oder hebt man den Ball quasi steil aus dem Sand heraus. Durch die starke Neigung besitzt er auch eine eher kleine Widerstandsfläche gegenüber dem Sand… somit natürlich hilfreich, wenn der Ball tief im Sand liegt. Man „unterschlägt“ quasi den Ball und dadurch wird er emporgehoben. Allerdings kann man den Sand Wedge genauso für andere Situationen einsetzen im Alltag, wenn man eine hohe und kurze Flugbahn benötigt.

Um mit den Dingern aber mal im kleinen Rahmen zu üben, sind echte Golfbälle natürlich viel zu riskant und gefährlich, wenn man nicht die Wohnung in den Sperrmüll kippen möchte, also bieten sich als Alternative diese bunten, quietschigen Schaumbälle an. Die sind zwar so fest, dass man sie gezielt abschlagen kann, aber zugleich auch so extrem leicht und weich, dass sie keinerlei Schaden an Etwas anrichten können, nichtmal bei voller Wucht gegen die Mauer oder eine Glastüre und hörbar sind sie auch nicht. Damit ist mal die Winterzeit gerettet und ich kann mich hin und wieder nebenbei langsam an die Schläger und die Grundlagen herantasten. Optisch wirken die Eisen und Hölzer ja auch nett und der Golfbag ebenso, also wird auch die innere Motivation gut angesprochen, sich damit näher zu beschäftigen.

Und dann schauen wir mal in den nächsten Wochen und Co., ob es auch wirklich Spaß macht, ob das Interesse nach einiger Zeit verfliegt, mein Rücken aufgibt oder sich ein Schlagkopf ablöst und man das Zeugs im Eck danach verstauben lässt. Ansonsten wäre ein sonniges Frühjahr auf einer Wiese mit dem Schläger und einem Golfball auf dem Tee durchaus eine wohlklingende Option der Zukunft. Aber jetzt leben wir mal im hier und jetzt und ich werde fallweise berichten, wie es damit so läuft.

Ah, spannend… heute in der Früh fällt mir ein, dass ich genau den wichtigsten Schläger gestern vergessen hatte. Den Putter. Der ist natürlich auch dabei. Schlicht, schwer und wirkt solide – nennt sich in dem Fall auch Heel-Toe-Putter.

Auf der Schlagseite gegenüberliegenden Seite gibt es weiße Markierungen, die das Ausrichten bzw. Zielen vereinfachen.

Und dann habe ich vergessen, dass der Driver, das Fairway-Holz und der Hybrid auch noch über Schutzhauben verfügen – diese sind ähnlich wie Socken mit Gummizug.

Und weil ich auch die Tasche nicht näher erwähnt hatte, aber diese vielleicht für den Einen oder Anderen auch interessant ist…

Diese hat einerseits eine aufzippbare Schutzhaube (nicht nur für Regentage), die an zwei Stellen fixiert ist, damit also auch nicht verloren gehen kann und die Schläger komplett umfasst. Außerdem hat der Golfbag eine praktische Funktion – die Stützen. Diese werden über Stangen ausgeklappt, sobald die Tasche kippt bzw. unten die Plastikplatte auf der Unterseite angedrückt wird. Damit kann man das nicht unschwere Teil mal eben einfach abstellen und muss sich keine Sorgen machen, dass es weg- oder umkippt.

Außerdem befinden sich zwei Trageschlaufen auf der oberen Seite, um sich den Golfbag umzuhängen, aber ebenso eine Griffschlaufen zum Tragen mit der Hand. Ansonsten kann man das Material ähnlich einem Zelt oder diversen Sporttaschen zuordnen. Der Schläger-Behälter besitzt zudem einige Unterteilungen, so dass man die Golfschläger in verschiedene Schächte schieben und damit ordnen kann.

Außen befinden sich seitlich jeweils zwei Taschen, eine längliche Große und eine Kleinere – beide jeweils mit Zip-Verschlüssen. Und schlussendlich finden wir vorne noch eine größere Tasche, die recht viel Stauraum bietet und in der ich momentan die Schaumstoff-Übungsbälle aufbewahre. Im Großen und Ganzen kann man also wirklich sagen, dass der Preis für all die Dinge zusammen durchaus angebracht ist.

So… und damit das letzte Teil von dem Paket… der Handschuh. Golfer tragen in der Regel übrigens nur einen Handschuh und der wird als Rechtshänder auf der linken Seite getragen, da dort die meiste Belastung beim Schwung liegt und er verhindert auch, dass einem der Schläger mal eben entwischt und beugt Blasen vor.

Eingesetzt wird er allerdings eher nur bei den größeren Abschlägen, also dort wo viel Kraft und Energie ausgeübt wird und ansonsten wird der Gute dezent wieder eingesteckt und geschont. Deswegen sieht man bei vielen Golfern auch den Handschuh oft im hinteren Hosenfach eingesteckt und wirkt damit dann oft nach einem übertriebenen Accessoire, aber tatsächlich hat er einen Nutzen, nur wird er eben nicht ständig eingesetzt. Auf dem Green, also beim Einlochen zum Beispiel, gar nicht.

Da es sich bei meinem Handschuh um die selbe Marke wie die Schläger und Tasche handelt, passt er auch recht gut zu den restlichen Farben des Sets. Kostenpunkt 10 Euro online, mit Klettverschluss und aus irgendeinem Mikrofaser-Leder-Whatever dünnen Material und auch wenn solche Handschuhe in der Regel nicht lange halten und schnell verschleißen, kann man schon sagen… auch das ist durchaus ok.

Und wie schon am Anfang erwähnt, gibt es dann noch die Übungsmatte und ein Übungsnetz für kleinere Distanzen. Auch das war Teil der Bestellung und kostet je nach Variante, Hersteller und Co. zwischen 12 und 30 Euro. Scheinbar rollen da die Preise ständig rauf und runter und gefühlt sind sie alle vom gleichen Hersteller bzw. der selben Produktion irgendwo aus China. Aber schauen wir uns das Ding näher an.

Die Rasenmatte ist jetzt nichts besonders. Man nehme ein kleines Stück einer Schaumstoff-Yoga-Matte und klebe ein Stück an Plastikrasen auf und stanze dann auch noch ein Loch ein. Als Ergänzung gibt es noch ein weiches Kautschuk-Röhrchen, das unten eine breite Fläche hat und von unten eingesteckt wird… perfekt zum Abschlag üben und ohne, dass dem Schläger was passiert. Und wenn man es nicht braucht, nutzt man die Fläche daneben oder entfernt das Ding und verstaut es im Golfbag.

Und dann haben wir noch das Übungsnetz. Ähnlich wie Faltzelte und Sonnenschutz-Flächen für den Strand ist auch dieses Ding innen in der Tasche verdreht und schlägt einem beim Auspacken fast ausnahmslos ins Gesicht und klappt mal eben einfach auf. Es ist ein wenig störrisch irgendwie und leider in der Ausführung auch nicht so besonders, da sich überall Fäden vom Netz ziehen, aber gut. Die Qualität folgt der Form oder so ähnlich. Zwei Stangen werden ähnlich wie bei einem Zelt zusammengesteckt und dann als Stütze hinten genutzt.

Und so schaut das Ding aus, wenn es aufgestellt ist. Im Freien würde es der Wind auf jeden Fall einfach wegblasen, aber dazu gibt es noch zwei Metallhaken zum Fixieren am Boden. Innen sind zusätzlich zwei kleinere Netze… für genaueres Zielen. Oder so.

Der innere Teil wird aber einfach nur mit Klettverschluss an den Seiten fixiert und kann damit abgenommen werden. Generell muss man aber sagen, dass man dieses Netz wirklich nur für kleine Annäherungsversuche nutzen kann, alles Andere würde es wohl kaum überleben… zumindest mit den echten Golfbällen. Die Schaumstoff-Übungsbälle hingehen sind wegen der Leichtigkeit kein Problem. Zu erwähnen ist noch, dass sich bei der Tasche bzw. Hülle die zweite Griffschlaufe nach dem zweiten Mal angreifen bereits aufgelöst hat.

Trotz alledem muss ich aber mittlerweile sagen, dass wenn man all diese Dinge zusammen nimmt, also Übungsmatte, Netz, Handschuh, Bälle, die ganzen Schläger und die Golftasche und bedenkt, dass man da mit unter 500 Euro wegkommt, wenn man ein bisschen sucht und abwartet beim Bestellen und es je nach Formen, Farben und Anbieter sogar noch billiger gehen würde (ich wollte, wenn schon, unbedingt das Rot bei dem Schlägerset von Wilson und nicht eine andere Farben), seine Berechtigung hat bzw. man sich nicht beschweren darf.

Andere Dinge mit ähnlichem Materialumfang für andere (sportliche Zwecke) sind da auch nicht billiger oder gar teurer und man bekommt in Summe ja doch eigentlich damit ein komplettes Set für den Anfang mal zusammen, um zu üben, aber theoretisch auch in Echt spielen zu können. Klar, die Qualität ist da nicht der erste Punkt, auf den man hier schauen darf und so wie bei Werkzeug, kauft man dann oft gerne doppelt dann am Ende, aber mein Bauchgefühl sagt mir, dass es damit mal für meine kleinen Newbie-Zwecke für eine recht lange Zeit reicht. Und ob nach dieser Zeitspanne dann noch das Interesse an Golf bei mir da ist, wird sich sowieso noch weisen. Das werden wir dann im Frühjahr wissen, wenn es wieder viele grüne Wiesen (und Rasen gibt).

Bis dahin versuche ich mal die Schaumstoffbälle zumindest vom Übungsrasen abzuschlagen, dabei den Ball auch zu treffen und im besten Fall schaffe ich es im Laufe der Zeit, auch ein Ziel regelmäßig zu treffen. Wir werden sehen!

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