Reales Golf – zum Sterben langweilig?

Mir ist natürlich bewusst, dass das Thema hier im Forum rund um das Golf-Brettspiel für alle Leser bereits ein äußerst langweiliges Thema geworden ist und das Interesse bei den meisten Menschen hier grundsätzlich auf der Wertigkeitsstufe von Fensterputzen oder Homeshop-TV-Kanal liegt (wobei der immerhin aufgrund der Absurdität oftmals zum Lachen oder Weinen ist) und dass sich das Interesse an echtem Golf bei dem größten Teil der Menschen ebenso äußerst in Grenzen hält.

Es ist halt ein ruhiger und fader Sport als Außenstehender, irgendwelche Menschen schlagen kleine weiße Bälle mit gefühlt zu kurzen Stöcken irgendwie auf dem Rasen und manchmal jubeln sie und manchmal verzweifeln sie, obwohl man als Zuschauer keinen großen Unterschied zwischen dem vorherigen und aktuellen Schlag erkennen kann und scheinbar ist das alles teuer und sowieso abseits der Realität.


Dann gibt es die TV-Übertragungen und Aufzeichnungen online von früheren Spielen… eine Mischung zwischen TV-Serien Alf und Al Bundy-Intro, 70er-Blumen-Gestecken, zu kurzen Rasenflächen, 80er-Party-Zelten, weißen Hosen, Zuschauern mit umgehängten Pullovern und viel an kitschiger Landschaft, einem Sprecher, der an die Vorlese-Stunden in der Schulzeit erinnert und automatisch die Augenlieder nach unten drückt und dann viele Zahlen mit irgendwelchen absurden Begriffen wie Birdie, Par, Putten, Eagle und Loft am Bildschirm. Aha.

Ich habe und hatte eigentlich nie einen realen Bezug zu Golfen, immer viel mehr zu Motorsport (Rallye, Formel 1, Nascar, 24 Stunden Le Mans, usw…), irgendwann ist mal kurz ein bisschen was zu Tennis aufgepoppt, aber naja… stöhnen halt auch immer gleich vor sich, irgendwann war es eine Zeitlang mal spannend Radrennen zu schauen, weil die TV-Bilddynamik das Ganze recht flott und gut verpackt hat, aber ja, da stirbt man leider bereits beim Zuschauen den Doping-Tod, dann gibt es Dinge wie Pferde-Rennen, die zwar visuell eigentlich spannend und beeindruckend sind, aber man sich dabei nur schämen kann, dass man Tiere so grausig ausbeutet und zu Tode schundet, es geht weiter mit Kampfsport, Boxen und Co., das hin und wieder mal sogar amüsant und spannend sein kann, aber da ist zu viel Show und „Isch schlage disch tot, alda!“ und die Nackenfalte vom Lokal ums Eck dabei, dann als Österreicher gibt es natürlich Skirennen, das aber als Heimatsport schon so ausgelutscht ist und man eigentlich eh nur mehr fast auf Styropor fahren müsste bei dem Klimawandel, Skispringen oder Skifliegen hat durchaus auch seine Daseins-Berechtigung, aber andererseits schauen die Alle gleich aus und ist ja auch selten geworden.

Dann bleibt noch Turnen und Gymnastik und dergleichen, beim Zuschauen meistens eher spannend weil aufgrund der Grazilität der Mädchen und Damen und nicht weil der Ball mit der linken Hand aufgefangen wurde. Eishockey und Rugby rangieren bei mir auf dem Level von wildgewordener Klasse mit Verhaltensauffälligen Kindern, die sich selber nicht im Griff haben, wenn sie sich gezielt niederboxen mal wieder. Dann gibt es noch die verrauchten Sportarten, wie ich sie nenne, also Dart, Billard und solche Dinge, wo man ohne zweiter Leber und Anti-Nikotin-Pflaster wohl kaum überlebt sowie die exotischen Dinge, wie eben Baseball, Cricket, Bobfahren, Speer werfen, Gewichtsheben und dergleichen, die in sich speziell sind, aber von denen man wenig sieht und hört in unseren Breiten. Und noch viele Andere.

Aja und eben Golf. Jetzt hätte ich es fast vergessen, da sieht man es wieder. Also es hat nie viel ausgelöst bei mir, klar… so ein Set an Golfschlägern mit Driver, Eisen und Putter oder dergleichen ist so was wie ein selbstfahrender Rasenmäher, Benzin-Motorsäge oder eine Draht-Seilwinde, also irgendwie Dinge, die man einfach gerne aus dem Katalog bestellt hätte, um sie zu haben, weil man es einfach cool findet, aber ohne es brauchen zu können oder wirklich dann je zu nutzen. Ich habe auch zudem nie im Leben bei einer TV-Übertragung mitgefiebert und moderne, bekannte Spieler wie Tiger Woods und Co. rangieren bei mir emotionsmäßig auf dem gleichen Rang wie die Dame an der Supermarkt-Kasse, eh nett und sicher tolle Menschen, aber der Bezug beschränkt sich halt auf eine Randerscheinung bzw. Handlung im Alltag, die keine tiefe, emotionale Rolle spielt. Grundsätzlich habe ich ja diesen Promi-Helden-Faktor in mir nicht, ob jetzt jemand Straßenkehrer oder 8-facher Tour-Gewinner ist, ist mir ziemlich egal, interessanter ist, was der Mensch zu sagen hat (im Idealfall nämlich nichts und lässt mich in Ruhe).

Aber ich muss zugeben… dadurch, dass ich ja Baseball entdeckt habe und darin spannende Sachen und Dynamiken, die ich als desinteressierter Europäer nicht erwartet hätte und durch den Brettspiele-Import jetzt auch zusätzlich bei Golf gelandet bin (weil man das auch alleine Brettspielen ohne der Meute an Anderen kann) und gemerkt habe, daraus lässt sich leicht auch selbst ein eigenes Spiel aufbauen, habe ich natürlich mir einige TV-Aufzeichnungen auf Youtube immer wieder so nebenbei angeschaut, um zumindest ein wenig mehr zu verstehen. Dort finden sich unzählige, stundenlange Aufzeichnungen – Golf eben – und ja, es ist nicht so trocken wie man sich im ersten Moment denkt.

Hört man genauer hin, haben die Kommentatoren oft einen ganz schönen „Schmäh“ und es passieren viele Dinge, die als Zuschauer dann schon amüsant sind… wie dass ein Spieler mal eben zwei Zuschauer nacheinander abräumt bzw. mit einem Golfball zum Umfallen oder in die Bewußtlosigkeit bringt, Bälle, die erst fast ins Wasser fallen, aber dann doch noch an den Steinen landen, abprallen und dann prompt ins Loch und Top-Profis, die den Ball punktgenau in der Mitte des großen Teichs versenken, ebenso Profis, die den Ball ins Gebüsch schlagen und dann nicht rausbekommen oder die Bunker-Schläge, wo der Ball wieder zurückkommt und am Golfer vorbei noch tiefer rollen. Dazu süffisante halb-ironische Kommentare.

Dann gibt es noch die alten Aufzeichnungen aus den 70er-80er-90ern, wo ganze Zuschauer-Scharen den Bällen und Spielern wie eine Kindergruppe nachlaufen, mitjubeln und schreien und vor allem… Alle zuschauen. Da starrt keiner in das Handy, sondern alle stehen oder sitzen mit Klappsesseln da und schauen einfach. Wie eine Gnu-Herde beim Grasen. Und es hat irgendwie etwas Friedliches, Harmloses und Nettes. Keine Gewalt (selten), kein Tierleid (bis auf die toten Rasenflächen und getroffene Vögel), keine grölenden Horden mit Bierflaschen (selten) und keine Sprecher, die beim Schreien Herzinfarkte erleiden und auch keine Spieler, bei denen die gewölbte Doping-Ader aus dem Unterarm hängt. Es ist quasi so der nette Hausschlapfen-Sport zum Entspannen beim Zuschauen und verkörpert aber trotzdem etwas Professionelles und Elitäres.

Naja und dann gibt es natürlich noch das echte Leben. Motorsport ist maximal am Innenstadt-Gürtel um 5 Uhr in der Früh möglich, aber spätestens ab 120 km/h lösen sich bei mir die Kotflügel und der Auspuff überholt den Motor, Tennis, Sprinten, Boxen und Gewichtstemmen würde mich in das nächste Herz-Ambulatorium bringen, Gymnastik in die nächste Reha, Speer werfen ist wohl mit einem Besuch beim nächsten Polizeirevier verbunden, Skispringen ist auch eher ein Sport, den man in der Großstadt selten ausübt und Dart-Spielen übe ich mit dem Mistkübel und diversen Saftpackerl jeden Tag. Baseball schlägt sich in der umgehenden Landschaft auch äußerst schlecht aufgrund der dadurch eventuell entstehenden Kosten, außer vielleicht alleine mal am Feld inklusive Ballverlust und so weiter… und Spaziergehen ist leider keine olympische Sportart, sonst hätte ich glatt Chancen auf eine Medaille.

nd Golf? Auch mühsam. Denn wer hat mal eben einen Golfplatz vor der Türe und ansonsten heißt es regelmäßig länger von A nach B zu fahren, was im beruflichen Alltag nicht möglich ist und die Wochenenden sind (mir) auch zu kurz und zu wertvoll dafür… und dann kommt noch Etwas dazu. Die Kosten. Clubmitgliedschaften, Greenfee, Trainings und Prüfungsgebühren, Ausrüstung und diese vielen Kleinigkeiten. Ich möchte keine 30, 60 oder 90 Euro jedes Mal an Greenfee zahlen, um hin und wieder mal an einem Nachmittag das weiße Bällchen von A nach B zu schlagen für ein~zwei Stunden, nachdem man mal Tausend Euro investiert hat, um so weit zu kommen. Oder einer jährlichen Vollmitgliedschaft um die 2000+ Euro beitreten und dann mit etwas Pech in einer anstrengenden Vereinsmeierei auch noch zu stecken.

Generell gehen mir Vereine und Clubs irgendwie am Nerv, aber sie sind auch etwas sehr typisches für unser Land und klar, irgendwie müssen sie sich finanziell erhalten – keine Frage. Es geht nur mit Gebühren und Co., denn wer pflegt denn die Flächen und so weiter, kümmert sich um die Einrichtung und stellt sie zur Nutzung frei und dergleichen… aber leider kommt es zu oft vor, dass dann eben Vereinsmeier dort zu finden sind… so quasi Platzhirsche, Quacksalber, Zentralgestirne, Schnöseltum und Freundeskreiswirtschaft und andere unnötigen Auswüchse an menschlicher Formgebung, die sich gerne untereinander ein Schaulaufen und Zuschanzen widmen. Das verdirbt diese Dinge irgendwie.

Ich war ja mal als Jugendlicher als Geschenk bei einem Golf-Schnupperkurs… eh nett und so und auch gut, es gemacht zu haben. Aber dieses „Wow, da fühlt man sich sofort wohl und heimisch und willkommen“ war da nicht und abgesehen davon war es etwas zu Pseudo-Elitär in der Ausstrahlung, es hatte das „Offene“ gefehlt. Und ja, dann gibt es Alternativen wie Crossgolf und dergleichen, die aber bei uns auch nur halbherzig gelebt werden und entweder dem Stil von Sunny Beachclub-Surfen oder dem billigen Firmen-Event entsprechen.

nabhängig davon aber ist Golf ein Sport, der nicht fad ist, sondern sehr spannend, lustig und interessant sein kann. Und äußerst herausfordernd. Und als Kompensation zur realen, teuren Welt lässt es sich glücklicherweise auch herrlich digital kompensieren mit dem zum Beispiel – mal zur Abwechslung – wirklich guten Computerspiel PGA Tour 2K21, das ich mir unlängst um 20 Euro geleistet habe. Die großen Kurse und Golfplätze der Tournaments, Schlägervielfalt, schöne Landschaften, umfangreiche Kommentatoren und viel Abwechslung und Schwierigkeitsstufen sowie Trainings und Co…. alles ist da und es fühlt sich fast echt an.

Und wenn man vom Bildschirm gelangweilt ist, dann ist eben so ein Würfel-Golfspiel in analoger Form der passende Ausgleich und das Kopfkino macht den Rest und man fühlt sich irgendwie erfolgreich dabei.

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